Wie geht Führung auf Distanz?

Die Chance zur Weiterentwicklung ergreifen 


Annika Dollinger - Werkstudentin

Das zweite Corona Jahr neigt sich langsam, aber sicher dem Ende zu und wie viele Unternehmen auf der Welt blicken wir in der Raumschmiede auf eine Achterbahnfahrt der Arbeitsformen zurück. Homeoffice-Pflichten haben zu vielen Zeiten dazu geführt, dass der Arbeitsalltag hauptsächlich online geführt wurde. Ein Treffen vor Ort war für die meisten nicht möglich. 

Dies stellte uns nicht nur im Ablauf des normalen Alltags vor Herausforderungen, sondern warf vor allem Fragen für unsere Führungskräfte auf, die nun plötzlich neue Fähigkeiten benötigten, um ihre Teams virtuell zu führen. Die klassische Führungsaufgabe besteht darin, Menschen und Themen zu leiten und voranzubringen, dies musste nun auch ohne örtliche Nähe gemeistert werden. Dazu kam der persönliche emotionale Stress der Pandemie-Situation, der zu beachten und bewältigen war – keine leichte Aufgabe. Wir haben auf die letzten zwei Jahre zurückgeblickt und einige Erkenntnisse zur Führung auf Distanz festgehalten:

1. Beziehungsorientierung

Besonders in Zeiten der Krise brauchen Mitarbeitende Unterstützung von ihren Führungskräften, vor allem emotionale. Diese muss auch im digitalen Format geboten werden. Wir haben hierbei erkannt, dass regelmäßiges Feedback und aktives Nachfragen zum persönlichen Befinden der Mitarbeitenden elementar sind. So kann individuell auf die Bedürfnisse der Mitarbeitenden eingegangen und für alle Beteiligten eine angenehme Arbeitsatmosphäre geschaffen werden. Auch eine Möglichkeit zur informellen Kommunikation in Online-Meetings darf nicht vernachlässigt werden. Virtuelle Kaffeepausen oder Zeit für Small-Talk vor Meetings helfen, ein wenig Normalität und sozialen Austausch in das Online-Format zu bringen.

Allgemein gilt: Communication is Key! Nur die Führungskraft, die weiß, wie es ihren Mitarbeitenden geht, kann beziehungsorientiert führen.

2. Vertrauen  

Im Homeoffice können Führungskräfte nicht das gleiche Maß an Kontrolle ausüben wie im Büro. Es ist daher wichtig, als Führungskraft die Fähigkeit zu haben, den Mitarbeitenden zu vertrauen, dass diese ihre Arbeit gewissenhaft erledigen. Dieses Vertrauen muss den Mitarbeitenden kommuniziert und gezeigt werden und es muss als Vorbild zur Arbeit im Homeoffice vorangegangen werden. Das führt dazu, dass die Selbstverantwortung der Mitarbeitenden gesteigert und auf lange Sicht ein selbstständigeres Arbeiten ermöglicht wird.

Wichtig ist dabei, den Reifegrad der Mitarbeitenden zu kennen und zu berücksichtigen. Reifere Mitarbeitende - also diese, die die Fähigkeit haben, selbstständig und ohne viel Leitung durch die Führungskraft zu arbeiten – brauchen eventuell weniger Aufmerksamkeit durch die Führungskraft als solche Mitarbeitenden, die auch im normalen Büro-Alltag in Präsenz etwas mehr Leitung fordern. Kennt die Führungskraft diese Reifegrade, so kann sie die Länge und Häufigkeit der digitalen Absprachen dementsprechend anpassen. 

Für das erfolgreiche Arbeiten im Homeoffice gilt: Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser! Denn nur durch das Entgegenbringen von Vertrauen fördert die Führungskraft nachhaltig die Selbstverantwortung der Mitarbeitenden. 

3. Austausch und Fehlerkultur 

Der Austausch mit anderen Führungskräften in derselben Situation kann zu neuen Einsichten führen. In dieser ungewohnten Zeit hat jede Führungskraft lernen müssen, sich auf die neue Situation einzustellen und einen Weg zu finden, mit der Führung auf Distanz umzugehen. Im Austausch können Probleme und Erkenntnisse geteilt und diskutiert werden, um voneinander und den gemachten Erfahrungen zu lernen. So können beispielsweise aufgabenorientierte Führungskräfte und beziehungsorientierte Führungskräfte ihre unterschiedlichen Herangehensweisen vergleichen und aus Fehlern und Erfolgen anderer lernen. 

Die Pandemie hat uns alle vor neue Herausforderungen gestellt. Es darf nicht vergessen werden, dass Fehler dazugehören und sich nicht für diese geschämt werden muss. Im Gegenteil: Fehler sind eine Möglichkeit zu lernen und sich weiterzuentwickeln. 

Neue Situationen und Veränderungen sind immer eine Herausforderung und bringen Ungewissheit mit sich. Doch wir in der Raumschmiede glauben, dass Veränderung auch ein Katalysator ist, um sich ständig zu verbessern und weiterzuentwickeln. Es geht darum, gemeinsam die Situation/das Problem anzugehen und im Team eine Lösung zu finden, die alle voranbringt und so gemeinsam dazuzulernen.  

Denn: Nur wer die Herausforderung annimmt, kann an ihr wachsen. 



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Azubiheft - Das Ende der Zettelwirtschaft